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Vortrag MdB Huber an der Harvard University am 10. März 2016








Am 10. März 2016 sprach der Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber als Gastredner an der renommierten Harvard University in den USA. Seinen Vortrag zur europäischen Migrationsgeschichte und die Veränderung der deutschen Sichtweise im Wandel der Zeit lesen Sie im Folgenden in deutscher und englischer Sprache. Eine Veröffentlichung finden Sie ebenso auf den Seiten der Huffington Post.

(English version below)

"Es ist mir eine Freude hier zu sein. Mein Dank gilt Frau Elaine Papoulias vom Minda de Gunzburg Center for European Studies – evcharisto. Ebenfalls ein großes Dankeschön geht an das John F. Kennedy Memorial Stipendium sowie Frau Roumiana Theunissen für die Organisation und Zusammenarbeit mit meinem Berliner Büro.

Sie werden sich wahrscheinlich fragen, warum ich gerade dieses Thema für meinen Vortrag ausgewählt habe. 
Nun, ich reise als deutscher Abgeordneter für verschiedene Ausschüsse durch die Welt. Für den Auswärtigen Ausschuss, den Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie für den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Was für Sie in Amerika nun keine Besonderheit ist, ist für Europa und den Rest der Welt nicht ganz so selbstverständlich, nämlich dass Menschen, die nicht dem klassischen europäischen Erscheinungsbild entsprechen, dort als Volksvertreter aktiv sind; noch dazu, wie in meinem Falle, für Deutschland, dies vor dem Hintergrund seiner Geschichte. Ich rede von der Zeit der Inszenierung des Rassenwahns eines größenwahnsinnigen Diktators und dessen Umsetzung, dem Holocaust, welchem Millionen, hauptsächlich jüdischer Bürger, zum Opfer fielen.
Wie es nun möglich ist, dass sich das Bewusstseinsbild der deutschen Bevölkerung, Europas Sicht auf den nicht-autochthonen Teil seiner Bevölkerung innerhalb seiner jüngeren Geschichte verändert hat, davon handelt mein Vortrag. Da ich als erster Abgeordneter anderer Hautfarbe quasi exemplarisch für diesen Wandel stehe, zumindest aus Sicht von außen, erlaube ich mir, auch einige autobiografische Aspekte mit in Betracht zu ziehen.
 
Mein Einzug in den Deutschen Bundestag zog reges internationales Medieninteresse nach sich: international, inner- und außereuropäisch - überall fast noch stärker als in Deutschland selbst; dies zu meiner eigenen Überraschung. Noch dazu für eine Partei der konservativen Mitte, für die CDU. Denn üblicherweise werden Sie als sogenannter „Deutscher mit Migrationshintergrund“ dem politischen Lager der Grünen oder der Linkspartei zugeordnet, mindestens aber dem der SPD, welche mehr oder weniger den US Demokraten nähersteht.
 
Von der New York Times, über Herald Tribune, aus Südamerika, Russland, Südkorea - von überall her kamen neugierige Journalisten und die alles entscheidende Frage war, wie es denn dazu kam, dass ich als Mensch mit afrikanischen Wurzeln, nun in einem nationalen, europäischen Parlament vertreten bin? Frei nach dem Motto: Was haben sich denn die Deutschen dabei gedacht?
Zu dieser Zeit war Religion, hauptsächlich die Diskussion um den Islam in der europäischen Gesellschaft, bereits ein großes Thema und man hegte den Verdacht, dass alles, was fremd und südländisch, sprich nicht-europäisch aussah, besonders in Deutschland, mehr Argwohn als Sympathie erwecken würde - was sich als falsch herausstellte.
Trotzdem zog ich als „Branchenfremder“, als jemand, der keine Parteikarriere hinter sich hatte, über die Parteiliste in den Bundestag ein, nachdem ich das Direktmandat gegen eine ehemalige Ministerin der SPD in einem traditionellerweise von SPD und Grünen dominierten Wahlkreis nur knapp um 2000 Stimmen verfehlt hatte. 
Die besten Ergebnisse erzielte ich interessanterweise in den konservativsten Gebieten meines Wahlkreises.
 
Die Transformation der europäischen, auch der deutschen Gesellschaft, die Bewusstseinsbildung von Individuen aus dem Lager alteingesessener Europäer, die Angst vor Überfremdung und Islamisierung haben sich seit der Syrienkrise verstärkt und sind daher im Moment nicht nur besonders interessante, sondern für Politik und Gesellschaft sogar hochbrisante Themen. 
In fast allen europäischen Ländern können wir einen rasanten Zuwachs rechtsextremer Parteien beobachten, sei es nun die von Russland unterstützte Front National in Frankreich, die Alternative für Deutschland in Deutschland, die Lega Nord in Italien sowie die Jobbik in Ungarn.
Diese haben unsere politische Landschaft verändert, auch in Hessen, wo die Ergebnisse der AfD in den jüngsten Kommunalwahlen Anlass zur Sorge gaben.
Aber wie gesagt, mir geht es hier in erster Linie nicht nur um die Sicht rechtsextremer Parteien auf die europäische Gesellschaft, sondern vor allem um den Blickwinkel der breiteren Bevölkerungsschichten auf die hier lebenden Migranten. 
Wichtig erscheinen mir hier zudem auch die Perspektiven der mitteleuropäischen Kernländer wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die der Beneluxländer, auf jene Europäer, welche vor der Gründung der EU, aus den damals unterstrukturierten, ärmeren Ländern außerhalb dieser Kernzone kamen. 
 
Wie hat sich da das Bild gewandelt? Der Blick beispielsweise jener Europäer, welche in den wohlhabenderen Gesellschaften gewohnt haben, auf jene, die in wirtschaftlich benachteiligten Regionen gelebt haben? - zum Beispiel in Osteuropa, welches lange Zeit hinter dem Eisernen Vorhang versteckt war - und die damals selbst als Armutszuwanderer gesehen wurden?
Und wie gestaltet sich wiederum deren Blick auf „die neuen Migranten“, die nicht aus Europa kommen? - hat doch einst ein Teil derer selbst, unter derselben Kennzeichnung als „Asylsuchender und Flüchtling“ den europäischen Kultur-und Wirtschaftsraum mit all den Vorzügen seiner Sozialsysteme, auf legale oder illegale Weise, betreten.
Ich erinnere mich als während des sogenannten „Deutschen Wirtschaftswunders“ die ersten „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen, überwiegend Italiener und Jugoslawen, später Türken, Griechen und andere.
 
Gibt es eine Konnotation zwischen kultureller Akzeptanz und wirtschaftlichem Erfolg der Ursprungsländer? Dies auch unter dem Gesichtspunkt der gesamtgesellschaftlichen Leistung, der Arbeitsmoral, der guten Regierungsführung und nicht nur unter dem makro-ökonomischer Parameter, sondern vielmehr unter dem der Inklusion und Teilhabe.
Sprich: dem Umgang der jeweiligen Eliten mit ihrem sogenannten Humankapital. 
Hier möchte ich auf Francis Fukuyamas Theorie verweisen, die er in seinem Buch „Trust“ beschreibt: Demnach erleichtert die Wechselwirkung zwischen Ehrlichkeit und Loyalität unter Individuen einerseits und der makroökonomischen Leistung einer Nation andererseits die Konfliktbewältigung. Deutschland, wie die USA und Japan waren laut dieser Theorie sogenannte „high trust countries“ (Länder hohen Vertrauens). Meines Erachtens hat diese Theorie besonders für den wirtschaftlichen Erfolg des Nachkriegs-Deutschland eine hohe Bedeutung. 
 
Interessant erscheint mir im Gesamtkontext, was den sozialen Frieden anbelangt, auch die Überlegung des Sozialpsychologen Erich Fromm. Sein Konzept des „autoritären Charakters“ beschreibt, inwiefern bestimmte Muster der sozialen Einstellung das Sozialverhalten von Menschen negativ prägen. Darunter fallen Konformität, Autoritarismus, extremer Gehorsam gegenüber Autoritäten und Ethnozentrismus. Diese Evaluierungskriterien sollten nicht nur in Bezug auf die Europäer Bestandteil einer ehrlichen, zielführenden Diskussion um die Integration sein, sondern auch auf die Einwanderer, welche zum Teil aus totalitären Staats- und Gesellschaftsformen kommen. 
„Mit Migrationshintergrund“ - das ist ein Begriff, den ich in Bezug auf die Selbstwahrnehmung, besonders junger Einwanderer, als kontraproduktiv ansehe und unter dem ich mich persönlich niemals eingeordnet habe.
 
Ich weiß nicht, ob es diesen Begriff in Ihrem Land überhaupt gibt, besonders wenn von Menschen gesprochen wird, die bereits den Status der Einbürgerung vollzogen haben oder Nachfahren von bereits eingebürgerten Zuwanderern sind. 
Würden wir jedoch den Begriff „Migrationshintergrund“ in der Form, wie er in Deutschland angewendet wird, auf amerikanische Verhältnisse anwenden, hätten 95 Prozent der Amerikaner einen sogenannten „Migrationshintergrund“. Dies einfach einmal am Rande.
Vielen Journalisten, egal von wo her, musste ich hier erst einmal erklären, dass, laut soziologischer Definition, Hautfarbe allein kein Indiz für einen Migrationshintergrund ist. 
Ich bin, neben der deutschen Sprache, zuerst einmal ohne zweite Sprache im Sinne einer Fremdsprache aufgewachsen, wenn man den bayrischen Dialekt nicht dazurechnen will - auch wenn er neben der Aussprache so viele eigene Idiome besitzt, dass der Rest Deutschlands dies tun würde. Beispiel: Das Lesen in der Schule.
 
Bayern ist ja ein sogenannter Freistaat, in dem das Gedenken an König Ludwig II, den Erbauer von Schloss Neuschwanstein - manchem von Ihnen, neben dem Oktoberfest, vielleicht bekannt –weiterlebt. Wenn man diese Region als eigenes kulturelles und politisches Biotop innerhalb Deutschlands bezeichnen will, liegt an damit nicht ganz so falsch.
Denn, um hier kurz ins parteipolitische abzugleiten: Bayern hat als einziges Bundesland eine eigene christdemokratische Partei, welche als Schwesterpartei der größten deutschen Volkspartei CDU fungiert, nämlich die CSU; dies ist einmalig in Deutschland.
Ich bin praktisch ein „expatriierter Bayer“, der nach Hessen – bekannt durch den Finanzstandort Frankfurt am Main oder die Rhein-Main-Airbase - und somit in die CDU abgewandert ist.
 
Mein Vater stammt, ähnlich wie bei Ihrem derzeitigen Präsidenten, Barack Obama, aus Afrika. Sein Vater aus dem Osten, aus Kenia, meiner aus dem westlichen Senegal.
Meine Sozialisierung fand jedoch rein auf deutsch-katholischem Terrain statt, da mein afrikanischer Vater und meine bayrische Mutter sich kurz nach der Geburt trennten.
Meine Mutter war in der Landeshauptstadt München berufstätig, so dass ich meine Kindheit in der Obhut meiner Großmutter im ländlichen Niederbayern, nahe der tschechischen Grenze, verbrachte. Eine überwiegend glückliche Kindheit, wie ich anmerken möchte.
Ein zufälliger Blick in eine alte Illustrierte, die meine Großmutter aufbewahrte, offenbarte mir, dass mein Vater ein afrikanischer Diplomat und mein Großonkel der ehemalige Staatspräsident, Philosoph und Humanist, Leopold Sedar Senghor, war. Für mich ergab sich daraus ein eher surreales Bild, da ich ja als lederhosentragender Junge in einem kleinen bayrischen Bauerndorf von 1200 Einwohnern, praktisch zwischen Kühen und Kartoffelacker hin- und her lief. Da passte die große weite Welt von Politik und Academie Francaise, der Senghor als einziges afrikanisches Mitglied angehörte,  nicht so dazu.
Eine weitere, häufig gestellte Journalistenfrage war, warum Deutschland erst so spät einen „dunkelhäutigen“ Politiker ins Parlament gebracht hatte. In Frankreich und Großbritannien gab es das wohl schon früher.
 
Ich wies darauf hin, dass ehemalige Kolonialmächte wie Frankreich oder England ganz andere gesellschaftliche Strukturen hatten, einen viel höheren nicht-europäischen, auch afrikanischen Bevölkerungsanteil als zum Beispiel Deutschland und ich mich nicht als ein Vertreter der afrikanischen Diaspora im Deutschen Bundestag sah, sondern als Vertreter aller deutschen Bürger, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft.
Die Wählerstimmen der Afrikaner, welche in Deutschland leben, hätten mich höchstens zum Kassenwart in einem deutsch-afrikanischen Fußballverein wählen können, aber nicht als Vertreter ins nationale Parlament. Das bedeutet nicht, dass ich jemals meine Wurzeln väterlicherseits verleugnet hätte. Entgegen der allgemeinen Auffassung repräsentiert dieser Teil meiner Abstammung die intellektuelle Komponente, waren meine deutschen Vorfahren doch stark bäuerlich geprägt.
 
Kolonialismus
Deutsche Kolonien und Schutzgebiete wurden vom Deutschen Kaiserreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts erworben und gemäß dem Versailler Vertrag im Jahr 1919 wieder aufgegeben.
Andere europäische Mächte hingegen engagierten sich bereits ab dem 15. Jahrhundert im Bereich der Schaffung von Kolonien in Übersee. Deutschland hatte daran so gut wie keinen Anteil.
Am 27. Juli 1900 machte Kaiser Wilhelm der II. durch die sogenannte „Hunnenrede“ nochmals auf sich aufmerksam, in der er mit markigen Worte, die ich hier nicht zitieren möchte, den „Deutschen Ostasiatischen Expeditionskorps“ darauf einschwor, europäische und deutsche Interessen in China zu wahren.
 
Wenn wir über Konflikte zwischen Europa und seinen Migranten reden, spielt die Kolonialzeit in den Debatten eine große Rolle, allerdings weniger in Deutschland als etwa in Frankreich, England oder Holland. Bedauerlicherweise sind dies heute die Länder, aus denen die meisten Djihadisten kommen, die in Syrien kämpfen.
Ich würde sagen, man kann das Problem einer gescheiterten Integration unter zwei Gesichtspunkten sehen: Zum einen unter dem individuellen Mangel an Willen und Disziplin, zum anderen unter dem der realen Benachteiligung. Ich denke, beide Betrachtungsweisen haben ihre Berechtigung.
Wenn wir von europäischer Kolonialgeschichte sprechen, sprechen wir von zwei Hauptakteuren: Großbritannien und Frankreich.
 
Sicher waren auch die Spanier aktiv, überwiegend in Südamerika, die Holländer in Indonesien und der Karibik; die Italiener haben im Abessinienkrieg das erste Mal Giftgas gegen Äthiopien eingesetzt, welches sich bis zum Schluss nicht kolonialisieren lassen wollte; Muslime waren längst schon auf dem afrikanischen Kontinent vertreten und haben große Teile nach und nach islamisiert. King Leopold II von Belgien halbierte die Anzahl der kongolesischen Bevölkerung von damals 25 auf 12 Millionen.
In den Migrantenforen der sozialen Medien sind es jedoch hauptsächlich diese beiden Länder, die aufgrund ihrer noch bestehenden Verbindungen zu ihren ehemaligen Kolonien genannt werden: Großbritannien und seine Verbindungen in den Mittleren und Nahen Osten sowie den ostafrikanischen Raum; Frankreich in Bezug auf seinen nach wie vor bestehenden engen politischen und wirtschaftlichen Dialog mit Nord- und Westafrika. Hier vermischen sich Elemente der Außenpolitik mit der innenpolitischen Wahrnehmung der Migranten in den Gastländern. 
Osteuropa spielte in diesem Kontext im Windschatten des großen Bruders, der Sowjetunion, eine untergeordnete Rolle, ebenso die DDR, welche einigen Studenten aus Übersee Studienplätze anbot, oder sie als Leiharbeiter beschäftigte.
 
Es ist unbestritten, dass die Kolonialisierung auf einer, ja man muss es so ausdrücken, „rassistischen Ideologie“ beruhte, die, wie bei Hitler als Rechtfertigung zur Ausbeutung anderer Länder und Kontinente diente. Einige Europäer hatten sogar Angst vor einem Aufstand Andersfarbiger gegenüber der weißen Vorherrschaft, wie es in dem Bestseller „The Rising Tide of Color against White World Supremacy“ von Lothrop Stoddard beschrieben wurde.
Während des Sieges der Türken über die Griechen im Jahre 1923 hieß es in der europäischen Gesellschaft, dass dies in jedem Bazar in Indien diskutiert würde, ebenso von Studenten aus Kairo und Dehli, über Peking bis nach Tokio. Man hatte Angst vor dem Verlust der Einflusssphäre.
 
Es gab jedoch auch einige einflussreiche Personen, die einen anderen Blickwinkel einnahmen. Einer von ihnen war der Philantrop Anson Phelps Stokes, ein US- Bürger, welcher 1942 ein Committee mit dem Titel „Africa, the War, and Peace Aims“ organisierte und versuchte, die Sprache aus Churchills „Atlantic Charter“ aus dem Jahr 1941 auch auf die eigenständige Selbstverwaltung Afrikas anzuwenden.  
 
Die Briten erwogen als erste Kolonialmacht eine weitgehende Dekolonisation Afrikas. Sie wollten eine allmähliche Machtübergabe an gemäßigte, demokratische Regierungen in die Wege leiten.
In der Evaluierung der Kolonialzeit gibt es, entgegen der allgemein bekannten Einschätzung, aber auch einige Verwerfungen aus Sicht der Unabhängigkeitsbefürworter. 
Als die französischen Kolonien 1958 in einem Referendum vor die Wahl gestellt wurden, zog der überwiegende Teil der Bevölkerung eine weitere Anbindung an Frankreich der völligen Eigenständigkeit vor. Zwei Jahre später jedoch war das französische Kolonialreich Geschichte. Einzig Algerien hatte noch bis zum politischen Sieg der algerischen Befreiungsfront (FLN) 1962 faktisch den Status einer Kolonie, auch wenn es seit mehr als einem Jahrhundert administrativ Teil Frankreichs war. Nach dem Ende des Algerienkriegs 1962 wandte sich Frankreich endgültig vom Kolonialismus ab. 
Der Algerienkonflikt ist nach wie vor Bestandteil der öffentlichen Debatte. Das koloniale Engagement Frankreichs findet noch immer einen starken Nachhall innerhalb der arabischstämmigen Migrantengesellschaft.
 
Warum erzähle ich Ihnen all das?
Tatsache ist, dass die Historie der Kolonialisierung, die darüber empfundene Schmach, der Mangel an Perspektiven, besonders für die Jugendlichen, auch nach der Unabhängigkeit, den Nährboden für radikale Propaganda, besonders durch radikal islamistisch motivierte Gruppierungen, bilden. 
Alte Feindbilder werden zum Leben erweckt. Und wenn ich vorher über den autoritären Charakter gemäß der Lehre Erich Fromms sprach, so gibt es diese Züge selbstverständlich auch bei einigen Einwanderergruppen, welche sich in den Familienstrukturen dieser Gesellschaften wiederfinden und es deren Nachfahren erschweren, sich in eine neue, ungewohnte Gesellschaft zu integrieren.
Es sind aber auch diejenigen politischen Entscheidungsträger, welche sich nach demselben Prinzip weigern, Flüchtlinge in ihr Land zu lassen. Wiederum einige Länder haben vor der großen Flüchtlingswelle bestritten, dass es bei ihnen ethnische Benachteiligung gab, was daran lag, dass es entweder keine gab oder diese in unqualifizierter Tätigkeit als Feldarbeiter etc. beschäftigt waren und damit quasi in einer einseitig gewollten Parallelgesellschaft lebten.
Jetzt, da sich einige wirtschaftlich schwächere Staaten Europas doch unter dem „Rettungsschirm“ der europäischen Gemeinschaft sehen, treten einige Parolen nach außen, welche wesentlich diskriminierender sind als jene, die sie in den Zeiten vor ihrer Eingliederung in die europäische Solidargemeinschaft so bemäkelt haben. Nach dem Motto: „Diskriminierung ist nur dann nicht adäquat, wenn es einen selbst betrifft.“ Bedauerlicherweise ist Rassismus aber eben auch unter Migranten verschiedener Herkunft ein Thema – obgleich dieses auch selten zur Sprache kommt.
Lassen Sie uns über die Offenheit Europas gegenüber Fremdkulturen reden.
Mein politisches Interesse begann in den 1970er Jahren, der Hippie-Bewegung. Wie in den USA, interessierten sich auch in Deutschland, quasi über Nacht, die jungen Leute für andere Kulturen, deren Kleidung und Essen, für Räucherstäbchen, Außenpolitik und asiatische Literatur sowie für fernöstliche Religionen und Philosophie. Wir sind alle eins, egal welcher Hautfarbe oder Religion wir sind.“ Spirituell bewegten wir uns alle Richtung Fernost, hin zu einer Philosophie des Friedens, wie der des Buddhismus.
 
Nachdem die Hippies in Länder außerhalb Europas reisten, nach Indien, Tibet und Afrika, rückten diese Länder auch in den Aufmerksamkeitsfokus der breiteren Bevölkerung, insbesondere auch dort, wo keine kolonialen Verbindungen vorhanden waren.
Insgesamt- und abgesehen von den auch negativen Ereignissen dieser Zeit wie den radikalen linken Kräften wie der RAF - trugen die 1960er und 70 er Jahre zu einer Öffnung und einem bemerkenswerten Wandel der Europäischen Gesellschaften in vielerlei Hinsicht bei: in der Wahrnehmung anderer Kulturen als Ganzes, im Bewusstsein über die Natur, die eigene mitinbegriffen. Diese Zeit war verantwortlich für ein steigendes Interesse an Literatur, Essen, Kleidung etc. aus anderen Ländern, und der Bereitschaft, sich zu öffnen für das Unbekannte.
Es war ein grundlegender Paradigmenwechsel innerhalb der westlichen Gesellschaften, der uns – wenn auch es uns oftmals nicht bewusst ist – noch immer unseren Europäischen way of life, unsere Kultur und politische Wahrnehmung, zumindest vom Grundsatz her, zu einem gewissen Grad beeinflusst.
 
Es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass das Verhältnis der europäischen Gesellschaften gegenüber Fremdkulturen unbelasteter, ja wesentlich freundlicher war, bevor die Diskussion über Integration fast ausschließlich auf der Ebene der Religion geführt wurde.
Fromms Konzept ist ein Prinzip, das auf sämtliche Schichten anwendbar ist und sich im gedanklichen Fundus eines Gelegenheitsarbeiters ebenso manifestieren kann wie auf der politischen Ebene, bei einem Einwanderer ebenso wie bei einem Einheimischen.    
Wer seine Identitätsfrage nicht geklärt hat, wird in jeder Gesellschaft ein Außenseiter sein. Eine Gesellschaft, die solche Menschen nicht integriert, wird sich verstärkt mit dem Risiko von terroristischen Anschlägen konfrontiert sehen (müssen), besonders wenn sich die jeweiligen Staaten noch an Auslandseinsätzen in Ländern des Islams beteiligen.
Wer sich, besonders als junger Mensch, unter denen mit orientalisch-islamischen Wurzeln in einer europäisch geprägten Gesellschaft nicht angenommen sieht, befindet sich im Akquise-Raster des IS. Er wird Opfer des autoritären Prinzips, falls er zu dem Schluss gekommen ist, dass geistige Flexibilität, emotionale Offenheit und demokratisches Empfinden für ihn persönlich keinen Nutzen gebracht haben. 
 
Er kämpft dann für ein Kalifat, das mehr eine kriminelle Vereinigung als eine Religionsgemeinschaft darstellt, welche nicht nur in der MENA-Region, sondern auch in den islamisch geprägten subsahara-afrikanischen Ländern und deren in Europa lebenden Diaspora an Raum gewinnen will.
Der IS stellt sich hier als Plattform dar, mittels dieser man vermeintliche oder reale Diskriminierung und gesellschaftliche Benachteiligung überwinden kann und einem durch Racheakte an den sogenannten Unterdrückern eine Art Widergutmachung widerfährt. 
Dies stellt eine große Gefahr für orientierungslose Menschen dar, besonders für jene jungen Europäer, die südlichen Kulturkreisen entstammen, denen die innere Balance fehlt, und denen man 70 Jungfrauen verspricht.
 
Wer sich nicht assimilieren will, sollte zumindest seine Kultur nicht über die Kultur des Gastlandes stellen, aus welchen Gründen auch immer.
 
Es gewinnen jedoch die geistig freien Gesellschaften, jene, welche sich wenigstens teilweise geöffnet haben, welche in ihren Ländern selbst den Wohlstand zunehmend besser verteilen. Demokratie mag auch nicht perfekt sein, aber es ist immer ehrgeizig, auf allen Ebenen, während totalitäre und autoritäre Systeme stets nur das eine Ziel verfolgen, nämlich an der Macht zu bleiben.
Dies überträgt sich auch auf deren junge Migranten, besonders aus dem asiatischen Raum. Hier kommt die bereits angesprochene Konnotation mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Ursprungsländer zum Tragen.
So stehen zum Beispiel im Ranking, was Gymnasialabschlüsse anbelangt, Schüler aus vietnamesischen Einwandererfamilien sogar im prozentualen Verhältnis vor ihren deutschen Mitschülern. 
 
Junge Chinesen sind fast überproportional an deutschen Hochschulen, besonders technischen Universitäten, vertreten. Tradition muss kein Karrierehemmnis sein.
Die Italiener blieben ihrer Tradition seit jeher treu, schon bevor und auch nachdem sie der EU beigetreten sind. Weil ihre Kultur seit der Zeit der Römer in weiten Teilen Europas und der Welt bekannt ist, sind sie auch heutzutage Weltmeister darin, die Vorzüge ihrer reichen Kultur, zu vermarkten.
So lehrten sie uns Deutsche beispielsweise nicht nur, zu essen, sondern auch eine Mahlzeit und das Leben zu feiern. La vita e bella und essen ist nicht nur dazu da, den Magen zu füllen, sondern gleicht vielmehr einem Konzert, dirigiert von einem bemühten Kellner oder leidenschaftlichem Restaurantbesitzer.
  
Das Essen wurde mit Charme und guter Stimmung serviert. Die Italiener erfanden sozusagen die Eventgastronomie, gepaart mit ein wenig „Comedia del Arte.“
Auch die Griechen bereicherten unsere Speisekarte. Meine Kinder könnten Ihnen mehr über griechische und römische Geschichte und Sprache erzählen. Weil ihr Verwandter, Senghor, Professor für Griechisch und Latein an der Universität Sorbonne I in Paris war, riet ich ihnen, ein bisschen in die Fußstapfen der Familie zu treten und so besuchten sie ein humanistisches Gymnasium. Bis zur Schuldenkrise Griechenlands vor wenigen Jahren und den damit entstandenen Diskussionen um ein Ausscheiden des Landes aus der EU („Grexit“), gab es keinerlei kritische Äußerungen über Griechenland oder griechische Einwanderer. Beim Blick in europäische Kriminalitätsberichte wird man feststellen, dass man nach griechischen Bürgern lange darin suchen muss.
Was die Flüchtlingskrise angeht, braucht Griechenland definitiv unsere Hilfe und Unterstützung. 
Frankreich hat eine eigene kulinarische Tradition.
Die englische Küche ist übrigens nicht besonders berühmt. Weder Franzosen, noch Briten, Schweizer, Österreicher oder Bürger aus den Benelux-Ländern wurden in Deutschland oder im restlichen Europa als Migranten angesehen.
 
Das spiegelt die Behauptung vom Kontext sozialer Akzeptanz wider, ja sogar das kulturelle Ranking von Ausländern und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ihrer Ursprungsländer.
In doppeltem Sinne, würde ich sagen. Nicht nur unsere deutsche Lebensweise wurde geprägt, auch in vielen anderen Bereichen profitierten wir, wie fast alle anderen Länder und Regionen der Erde, von der unglaublichen Kreativität der Migranten. Wir neigen leider manchmal dazu, das zu vergessen.
Ich war vor meinem politischen Mandat Schauspieler, wiederum der erste „schwarze“ Darsteller in einer TV-Serie außerhalb der Vereinigten Staaten. Ich erwähne es einfach einmal so, obwohl mir an diesem Prädikat nicht allzu viel liegt. Darin war ich von 1984-1996 tätig: als Cop, nicht als Zuhälter oder Drogenhändler. Die Serie hat sich in 60 Länder verkauft.
 
Ich hatte zuerst einen Vertrag über 4 Episoden. Nach der ersten Ausstrahlung im Fernsehen wurde der Produzent von einer Gruppe Neo-Nazis bedroht, mit dem Hinweis, man möge mich doch nach Afrika zurückschicken.
Die Menschen auf der Straße verhielten sich jedoch ganz anders. 
Ich habe in weiteren 120 Folgen mitgespielt. In der Zwischenzeit hatten sich die Verkäufe ins Ausland verdoppelt und auch andere europäische Länder wie Frankreich und Großbritannien entwickelten Serien dieses Formats für Menschen schwarzer Hautfarbe.
 
Ich bin Jahrgang 1956. Die Nachkriegszeit war auch für uns Menschen mit anderer Hautfarbe nicht immer einfach. Ich erinnere mich an einen Vorfall, wo ein Beamter in meinem bayrischen Ort, selbst ein Flüchtling aus den Ostgebieten, nicht damit leben konnte, dass sein Sohn in der Schule schlechter war als dieser „Negerjunge“. Er versuchte meine Mutter und die Schulleitung davon zu überzeugen, mich nach Portugal zu deportieren, unter dem Vorwand, dass ich doch dort meine Talente besser entwickeln könnte. Man wollte mich also in ein Waisenhaus abschieben. Das Ganze scheiterte nur an dem vehementen Auftritt meiner Großmutter. Meine Geschichte habe ich in einem Buch wiedergegeben.
Ich kann sagen, dass meine Großmutter die Quelle meiner intellektuellen, sozialen und emotionalen Inspiration war, wie dies für einen Großteil der sogenannten „Kriegskinder“ der Fall war, deren Väter afro-amerikanische Soldaten während der Zeit der Besetzung waren und die zurückgelassen wurden wie die Fliege im Butterfass. Für die meisten von ihnen eine psychologisch extrem schwierige Herausforderung, die nicht immer erfolgreich bewältigt werden konnte.
Nun bin ich ein deutscher Politiker. Mein Weg symbolisiert vielleicht wie der einiger anderskultureller politischer und wirtschaftlicher Entscheidungsträger, wie dem des CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, dem des ehemaligen Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, oder Philipp Rösler, dem ehemaligen deutschen Gesundheits- und Wirtschaftsminister, die Veränderung der europäischen Gesellschaft und ihr Verhältnis zu Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund. 
 
Dies wäre früher nicht möglich gewesen.
Ein gelungenes Miteinander setzt nicht bedingungslosen reziproken Altruismus voraus, wie es der deutsche Philosoph Jürgen Habermas formulieren würde, sondern Wissbegierde. 
Dies hat auch ihre Nation groß gemacht. 
Wenn man an den persönlichen Willen eines Menschen appellieren muss, dass dieser etwas lerne, ist dies meist ein suboptimaler Weg. Eine nachhaltig starke Gesellschaft muss, gleich ob Einwanderungsgesellschaft oder nicht, attraktiv sein für diejenigen, die sich von sich aus um eine Ausbildung bemühen und bewerben und die ihre Karriere im Fokus haben und nicht nur das Geld, wo immer dieses auch herkommt. 
Wer sich neuen Erfahrungen öffnet, gewinnt, ohne dass er dabei probate Positionen seines Denkens, jene welche sozial verträglich sind, grundlegend verändern muss. Daran müssen sich alle beteiligen. 
Eine einfache Formel dazu entspringt zum Beispiel der Bibel: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Die sogenannte „Goldene Regel“ zieht sich vom Christentum, über den Hinduismus, vom Judentum bis zum Buddhismus. 
Bereits Aristoteles hatte darüber geschrieben und Kant hat sie im „Kategorischen Imperativ“ behandelt. Im Koran heißt es: „Keiner von euch ist gläubig, solange er nicht für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ Mit Brüder dürften wohl alle Menschen gemeint sein.
Unsere Kanzlerin Angela Merkel initiierte im Jahr 2006 den ersten Integrationsgipfel. Sie hat über Integration nicht nur geredet, sie hat sie institutionalisiert und dieser Herausforderung eine größere Bedeutung innerhalb der deutschen Gesellschaft beigemessen. Ihre Aufgeschlossenheit veränderte die Partei und bedeutete einen großen Schritt in Richtung einer Liberalisierung und Modernisierung der deutschen Gesellschaft. Deshalb habe ich mich für die CDU entschieden.
Es gibt ein japanisches Sprichwort: Der Glückliche lernt von der Erfahrung anderer, der Unglückliche von der eigenen. 
Ich denke nicht, dass ich zur ersten Kategorie zähle.
Und ich erlaube mir, dem hinzuzufügen, dass wenn immer mich jemand fragen würde, wie ich es bis dahin geschafft habe, wo ich heute stehe, ich ihm antworten würde: Ich habe meinen Blick stets auf die Zukunft gerichtet und nicht auf Perspektiven der Vergangenheit aufgebaut.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."
 
 
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"It is a great pleasure to be here. Thanks to Mrs Elaine Papoulias of the Minda de Gunzburg Center for European Studies, evcharisto. Thanks to the John F. Kennedy Memorial Fellowship, thanks to Mrs. Theunissen, who handled all the communication with my Berlin office.
 
You are probably wondering why I chose this particular topic for my speech. 
Well, as a German MP, I travel to many countries of the world on behalf of the parliamentary committees which deal with foreign affairs, economic affairs and energy, and economic cooperation and development. 
In Europe and many other countries – unlike the US – it cannot always be taken for granted that people whose appearance differs from what Europeans regard as the norm will be elected to Parliament. This applies particularly, as in my case, to Germany, in view of its history. I am referring, of course, to the time when a megalomaniac dictator instituted and implemented a system of fanatical racism, culminating in the Holocaust which claimed the lives of millions of people, most of them Jewish citizens. 
 
So today, I would like to explore how the German people’s awareness and Europe’s view of its non-European communities have changed in the recent past. As the first person of color to become a German MP, I in some ways epitomise this change, at least from an outsider’s perspective. So if I may, I would also like to draw on some of my own life experiences and share them with you. 
My election to the German Bundestag attracted considerable international media interest. By international, I mean in Europe and beyond; it almost seemed as if there was more interest everywhere else than in Germany itself, to my surprise. What’s more, I was elected on a CDU ticket – a center- conservative party. I say that because generally, you would expect to find a so-called “German with a migrational background” in the Greens or the Left Party, or at least in the SPD – the party which is closest, more or less, to the US Democrats on the political spectrum. 
 
 
 
They came from the New York Times and the Herald Tribune and from South America, Russia and South Korea – journalists from all over the world were curious to meet me and ask one key question: how had it come about that someone like me, with my African roots, was now a Member of a national Parliament in Europe? What they were really asking was: what were the Germans thinking? 
At that time, religion, especially the debate about Islam in European society, was already a big issue, and there was a sense that anyone who looked different, who looked “foreign” – in other words, if they didn’t look European – would arouse more suspicion than sympathy, especially in Germany. But in reality, things turned out very differently.
 
Even though I was a political “outsider” – I hadn’t made a career for myself in the CDU – I was elected to the Bundestag from the party list, after I’ve missed a direct seat by merely 2,000 votes against a former minister from the SPD, in a constituency which is traditionally dominated by the Social Democrats and Greens.
 
 Interesting is that I optained my best results in the most conservative corner of my constituency.
The transformation of European – and that includes German society, the need to sensitise those whose forebears have lived in Europe for a long time, and fears of alienation and Islamisation have all increased since the Syria crisis. 
So these are not just extremely interesting topics: they are, at present, critical issues for politics and society. 
 
In almost every European country, we are seeing the rapid rise of parties on the extreme right – whether it is the Front National in France, which is now being funded by Russia, the Alternative für Deutschland (AfD) in Germany, the Lega Nord in Italy, or Jobbik in Hungary.  
They changed our political landscape also in Hesse, where the results of AfD in the recent municipal elections gave us cause for serious concern. 
 
But what I would like to talk about today is not only about this extreme right parties’ views on European society but, first and foremost, how society at large views the migrants who live among us. 
I think it is also important to look at how the core countries in Northern and Central Europe, such as Germany, France, Great Britain and the Benelux states, view those Europeans who – before the founding of the EU – came from what were at that time poorer countries with weaker infrastructures outside this core zone. 
 
How has the picture changed? For example, what has changed in the way Europeans in the more affluent societies view those who lived in disadvantaged regions, such as Eastern Europe – long hidden from sight behind the Iron Curtain – who themselves were classed as refugees from poverty? 
And how are today’s new migrants from outside Europe viewed by this latter group, some of whom were once labelled “asylum seekers” and “refugees” themselves when they entered the European cultural and economic space, legally or illegally, and thus gained access to all the benefits of its social systems? 
  
I remember when during the so called “German Wirtschaftswunder” the first so called guest workers arrived in Germany, mainly Italians and Jugoslavians, later on Turks, Greeks and others.
Is there any linkage between cultural acceptance and the economic success of the countries of origin: their overall performance as societies, their work ethic, good governance not only  measured by macroeconomic parameters but also on soft ones like the human development index,  inclusion and participation?
 
In other words, how do the elites deal with their human capital? Here, I want to refer to Francis Fukuyama’s theory, which he described in his book “Trust”: The relation between honesty and loyalty among individuals AND the macroeconomic performance of a whole nation, as it eases, like he states, settlement processes. And, Germany, like your country and  Japan, according to his theory, were these so called “high trust countries“. In my eyes, I have to admit, this theory has a certain relevance to the economic success of the post war Germany. 
 
Looking at the overall context in terms of peaceful social relations, I find the ideas of social psychologist Erich Fromm very interesting. His concept of the “authoritarian personality” describes how a certain state of mind can negatively affect people’s social behavior. This state of mind is characterized by conformity, authoritarianism, extreme obedience to authority, and ethnocentrism. These evaluation criteria should form part of an honest and meaningful debate about integration, not only in relation to Europeans but also in relation to immigrants, some of whom come from totalitarian states and societies. 
 
“With a migrational background” – that’s a phrase which I myself regard as counterproductive to a positive self-image, especially for young immigrants, and it’s a term I have never applied to myself. 
I don’t know whether this expression even exists in your country, especially when talking about immigrants who are now naturalized US citizens or who are descendants of naturalized immigrants. 
 
Indeed, if we applied the German concept of a “migration background” to the US context, 95 per cent of Americans would fall into this category. I simply mention that in passing.
So I had to start by explaining to many of the journalists, wherever they came from, that according to the sociological definition, the color of a person’s skin is not, on its own, an indication that she has a migrational background. 
 
I myself grew up speaking German; I didn’t have a second language – unless you count the Bavarian dialect. It has its own pronunciation and so many idioms of its own that the rest of Germany would probably say that it is at least to a certain extent a foreign language! 
Bavaria is what we call a Free State, where the spirit of King Ludwig II lives on. King Ludwig built Neuschwanstein Castle, which may be familiar to some of you. Perhaps you have also heard of our Oktoberfest. And if you were to categorise this region as a separate cultural and political ecosystem within Germany, you wouldn’t be far wrong. 
 
So let’s take a brief excursion through our party landscape. Bavaria is the only German state with its own Christian Democratic party, the Christian Social Union (CSU). It’s the sister party of the largest of the mainstream parties, the Christian Democratic Union. That makes the CSU unique in Germany.
I am practically an "expatriate Bavarian" , so to speak: I migrated to the state of Hesse – well-known as the home of Germany’s financial centre, Frankfurt am Main, some U.S. Army veterans will be also familiar with the the Rhein-Main Air Base – yes and thus I entered CDU territory.
Your current President Barack Obama and I have something in common: our fathers both came from Africa – his from Kenya in East Africa, mine from the West African country of Senegal. 
Yes, ladies and gentleman I was brought up exclusively in a Roman Catholic region of Germany as my African father and my Bavarian mother separated soon after I was born. 
My mother worked in the state capital Munich, so I spent my childhood in the care of my grandmother in rural Lower Bavaria, close to the Czech border; your people would compare it maybe with the South. And I must say, it was generally a very happy childhood.
 
One day, I found an old magazine that my grandmother had put by as a keepsake. Leafing through it, I found out that my father was an African diplomat and that the philosopher and humanist Léopold Sédar Senghor, a former President of Senegal, was actually my great-uncle. From my perspective, this was all quite surreal: here was I, a young lad in lederhosen in a tiny Bavarian village with just 1,200 inhabitants, running around among the cows and potato fields. The big wide world of politics and the Académie française, where Senghor belonged to as the only African member, didn’t seem to fit into the picture. 
Another frequent question from journalists was why it had taken Germany so long to elect a person of color to Parliament: in France and the UK, this had happened much sooner.
 
So I would point out to them that former colonial powers like France and Great Britain have very different social structures, a much larger non-European population than Germany, including more people from Africa, Asia, Carribean and that as a Member of the German Bundestag, I see myself as a representative of all Germans, regardless of color or origin. 
There might have been enough votes from Africans living in Germany to elect me as treasurer of a local German-African soccer club, but not to secure me a seat in our national Parliament. That does not mean that I have ever denied my origin from my fathers side. Why - contrary to the common paradigms it represents the intellectual part of my family as my German side were more or less farmers.
 
Colonialism
Germany acquired its colonies and protectorates during the time of the German Empire in the late 19th century and lost them under the Treaty of Versailles in 1919.
Other European powers began colonizing overseas territories from the 15th century onwards, but Germany played virtually no part in this. 
On 27 July 1900, Kaiser Wilhelm II called attention to himself again with what came to be known as his “Hun Speech”. Using robust language, which I do not wish to repeat here, he exhorted the German East Asian Expeditionary Corps to protect European and German interests in China. 
When we talk about conflicts between Europe and its migrants, the colonial era features prominently in the debates, although less so in Germany than in France, England Belgium or Holland, for example. Unfortunately this are the countries were most of the European Djihadist which are fighting in Syria come from.
So, we can view the problem of failed integration in two ways: we can see it in terms of an individual lack of commitment and discipline, or we can look at it in the context of real discrimination. 
I think there are arguments to support both standpoints.
 
When we talk about European colonial history, we are really talking about two key players: Great Britain and France.
Sure, the Spanish were involved as well, mainly in South America, while the Dutch were in Indonesia and the Caribbean. The Portuguese in West Africa and South America, the Italians who were the first to use poison gas, deploying it in the Abyssinian war against the Ethiopians, who resisted colonization to the last. Muslims had long been present in Africa as well, with progressive Islamisation of large areas of the continent. King Leopold II of Belgium halved the number of the Congolese population from 25 million at that time to 12 million.
In the migrant forums on social media, however, it is mainly these two countries who are mentioned, due to their enduring links with their former colonies: Great Britain, with its links to the Middle East and East Africa, and France, with its still intensive political and economic dialogue with North and West Africa. Here, foreign policy elements are mixed with host countries’ domestic policy perceptions of migrants. 
 
Eastern Europe – long in the shadow of Big Brother, the Soviet Union – played a lesser role in this context, as did the GDR, which offered university places or jobs as temporary workers to some young people from overseas. 
There is no disputing that colonialism was based on what one can only describe as a racist ideology which served to justify the exploitation of other countries and continents – an approach also adopted by Hitler. Indeed, in the colonial era, some Europeans were fearful that people of color would take any opportunity to rise up against white rule; Lothrop Stoddard’s bestseller The Rising Tide of Color Against White World-Supremacy captured the mood of the day. 
Europeans were convinced that the Turkish victory over the Greeks in 1923 was – I quote – “discussed in every bazaar everywhere in India … and in student debates from Cairo to Delhi, Peking and Tokyo”, with widespread fears of a loss of Western influence.
 
But there were also some influential figures who took a different view. One of them was the philanthropist Anson Phelps Stokes, a US citizen, who in 1942 organised a Committee on Africa, the War, and Peace Aims and sought to apply the language of Churchill’s 1941 Atlantic Charter on self-government to Africa. The Committee’s report voiced firm opposition to racism. 
 
The British were the first colonial power to consider the wide-scale decolonisation of Africa. They wanted a gradual transition of power to moderate, democratic governments. 
Contrary to popular belief, an analysis of the colonial era reveals that there were also some unexpected developments, at least from a pro-independence point of view.
 
In a referendum held in the French colonies in 1958, by far the majority voted to remain in an association with France instead of opting for complete independence. Within just two years, however, France’s empire – the French Community – was consigned to history. In reality, only Algeria’s status as a colony continued for a while, ending with the political victory of the Front de Libération Nationale (FLN) in 1962, after more than a century as an administrative “department” of France. When the Algerian war ended in 1962, France finally turned its back on colonialism. 
The past conflict in Algeria, however, is still part of the public debate. France’s colonial past still echoes strongly in its North African diaspora communities – intellectually and emotionally.
You may be wondering why I am telling you this. Let me explain.
The fact is that the history of colonialism, the perceived stigma of colonisation and the lack of prospects, especially for young people, even after independence, are fertile ground for radical propaganda, especially by Islamist groups. 
Old enemy stereotypes are being reawakened. I spoke a few moments ago about the “authoritarian personality” as defined by Erich Fromm, and of course these personality traits can be found in some immigrant communities as well and are reflected in their family structures, making it more difficult for young people to integrate into a new and unfamiliar society.
 
But there are also some politicians who operate according to the same principle and refuse to allow refugees into their country. Some countries have denied that they have ethnic discrimination, but this is often because they either have no minorities or because they employ them as unskilled labor, e.g. as agricultural workers, sidelining these people unilaterally in what amounts to a parallel society.
And at a time when some economically weaker European countries are benefiting from emergency support from the European Union, some of the messages coming from them are far more discriminatory than those they themselves complained about before they were integrated into the European community of solidarity. For some of them the doors for Non- European migrants should be closed. And when it comes to discrimination: “Discrimination is OK, as long as it isn’t directed at us.”  Unfortunately, racism is, however, also an issue among migrants themselves - even if this is rarely discussed. 
So let’s talk about Europe’s openness to other cultures. 
My political awareness started back in the 1970s, the Hippie Era. Like in the U.S., all of a sudden, young people where interested in other cultures, clothes, food, incenses, foreign policies, Asian literature and Eastern religious philosophy. “We are all one, no matter what colour we are, what religion we have.” We all went spiritually towards the far East, towards a peace oriented philosophy, like Buddhism. 
 
After the Hippies started travelling outside Europe towards India, Tibet and Africa, these areas received attention from a larger part of the population, especially from those who had no significant colonial ties.
As a whole and aside of some negative aspects of this period, like ultra- left radicals like RAF, the 60s and 70s opened and changed the European societies in many sectors: in the awareness of other cultures as a whole, in the awareness of nature, including his own. This period created interest in foreign literature, food, clothes and the willingness to open one’s mind for the unknown. 
 
It was a major turning point in Western Societies and - mostly out of our direct awareness - it still influences our European lifestyle and cultural and political perception to a certain extent, at least rudimentary. 
But: There’s no denying that European societies’ relations with other cultures were less burdened and, yes, far more cordial before the integration debate came to be dominated by the issue of religion. 
 
Fromm’s theory is one, which can be applied to all sectors of society, and the traits which he described can be displayed by a casual worker as much as at political level, and can appear in diasporas and host societies alike. 
Anyone who is still unsure of their own identity will remain an outsider in any society. And a society which does not integrate these people will find itself increasingly confronted with the threat of terrorist attacks, especially if these countries concerned are involved in interventions against actors in the Islamic world. 
 
Especially young folks with roots in Islam and the Arab world, those who feel that they are not accepted by European society are a target for recruitment by Salafists and the Islamic State. They are easy prey for its particular brand of authoritarianism if they conclude that intellectual flexibility, emotional openness and democratic awareness have brought no benefits for them personally. 
They may then find themselves fighting for a caliphate – more a criminal organisation than a faith community – whose aim is not only to make territorial gains in the MENA region and in the Muslim countries of sub-Saharan Africa but also to gain ground in diasporas living in Europe. 
Islamic State presents itself as a platform from which real or alleged discrimination and social exclusion can be overcome and through which a form of reparation can be extracted from the so-called oppressors with acts of revenge. 
 
This is a fiendish temptation for disoriented people, especially for young Europeans from diaspora communities who lack equilibrium and believe the promise: if they become a martyr, God will give them 70 virgins.
People who don’t want to assimilate should at least integrate so far, not to try to put their own culture above that of the host country, no matter how they try to justify doing so. 
But what I believe is that the winners in a short or long term perspective are and will be the intellectually liberal societies – those which have opened up, at least in part, and which are sharing the benefits of prosperity ever more fairly at home. Democracy may not be perfect- but it will always be ambitous on all levels. A totalitarian, authoritarian state or system has just one major objective: To stay in power.
This is increasingly being felt by their young migrants as well, especially from Asia. The linkage with economic success in the countries of origin, which I have already mentioned, comes into play here.
For example, in percentage terms, high school students from Vietnamese immigrant families are now outperforming their German classmates in their school-leaving exams, and there is an almost disproportionate number of young Chinese in higher education in Germany, especially at technical universities. Tradition does not have to be a barrier to career success. 
 
Italians, before and after being part of the EU, have always stuck to their tradition. As their culture is known since the time of the Romans, they are the champions in marketing their talents and assets of their rich culture. 
 
They, for example, told us Germans not just how to eat but how to celebrate a meal. Eating was not just about filling your belly anymore, it was rather a concert conducted by the waiter or the owner of the restaurant. 
 
Food was served with charm and a good mood. Italians practically invented the culture of “event gastronomy” with a little bit of “Comedia del Arte”.
Also the Greeks enriched our menu. My kids could tell you more about Greek and Roman history and language. As their relative Senghor was Professor for Greek and Latin at the Sorbonne University in Paris I recommended them to step a little bit into the footsteps of the family, so they studied it at highschool.  Up to the recent dept crisis and bailout discussions there was never any controversial discussion with Greece or Greek migrant groups. If you go through European crime reports you will not easily find a Greek citizen. 
 
Concerning the refugee crisis the country needs definitely our help.
France of course has an own culinary tradition.
English cooking is not very famous and by the way. Neither French, British , Benelux , Suisse and Austrian citizens were designated as migrants in Germany or elsewhere in Europe.
That echoes the thesis of context between social acceptance, even cultural ranking of foreigners and the economic performance of their home countries. 
 
In a combined sense, I can say. Not only our German lifestyle, also in other sectors we benefited like nearly all other parts of the world from the creativity of its migrants. Sometimes we tend to forget that. 
 
Before I became a Member of Parliament, I was an actor. In fact, I was the first black actor to star in a TV series outside the United States. My TV career started 1984. I played a cop, not the stereotype pimp or a drug dealer. Before I started the series was sold to 60.
 
At first, I was contracted to appear in four episodes. After the first episode was screened on TV, my producer was threatened by a group of neo-Nazis, who told him in no uncertain terms that he should ship me back to Africa.
People on the street, the audience however, behaved very differently.  
I performed in another 120 episodes. Meanwhile the foreign sales have doubled and also  other European countries like France and UK developed these kind of formats for people of dark skin. 
 
I was born in 1956. Although the war was over, the first few years were not always easy for people of color. I remember one incident in particular: a local official in my Bavarian village – himself a refugee from Germany’s lost territories in Eastern Europe – couldn’t bear the fact that this “negro boy”, as he called me, was getting better grades than his son in school. He tried to persuade my mother and the head teacher to deport me to Portugal, claiming that I would have more chance of developing my talents there. What he really wanted was to send me to an orphanage. The plan failed, but only because of my grandmother’s vehement opposition. I tell my story in my book. 
 
I can say my grandmother was my source of intellectual, social and emotional inspiration, like for most of the so called " war babies" who s fathers were Afro- American soldiers during the time of occupation and which were left behind, like a fly in the butter milk. For most of them psychologically an extremely tough challenge which didnt always end positively.
 
And now I’m a German politician. Like some other political and business figures who come from other cultures, such as Tidjane Thiam, the Chief Executive of Credit Suisse, Anshu Jain, the former head of Deutsche Bank, or Philipp Rösler, former German Minister of Economic Affairs and Technology as well as Minister of Health, with a Vietnamese background, my path in some ways symbolises like I said the transformation that has taken place in European society and in its attitude towards people with a different cultural background. 
 
This would not have been possible in the past. 
Successful social relations do not require unconditional reciprocal altruism, as the German philosopher Jürgen Habermas would call it. What is needed is a desire a hunger for knowledge and the insight that we can learn from each other. 
That is what has made your country great. 
If you have to appeal to an individuals will to learn that’s mostly a suboptimal variant. A sustainable strong society has, no matter if migrant or non- migrant, to be attractive for those who apply for education by themselves for those who have a focus on their career not only on money which comes from no matter were.
 
Anyone who opens themselves up to new experiences is a winner. It doesn’t always mean radically changing your own firm beliefs and opinions, provided that they are compatible with the society you live in. But it is a process which has to involve everyone. 
The Bible has a simple message which is relevant here: “Do unto others as you would have them do unto you”. Known as the Golden Rule, this message is found across faiths: from Christianity and Hinduism to Judaism and Buddhism. 
It is found in the writings of Aristotle, and it was discussed by Kant in his Categorical Imperative. The Quran says that “no one truly believes unless he wishes for his brother what he wishes for himself”. I take “brother” to mean all people here. 
Our chancellor Angela Merkel initiated the first integration summit in 2006. She didn’t just talk about it, she institutionalized integration and gave this challenge a bigger importance within the German society. Her open mind changed our party and took the next step to liberalize and modernize the German society. That’s why I joined the CDU.
There is a Japanese saying: The lucky one learns from the experience from others the unlucky one from his own one.
 
I think I dont belong to the first cathegory.
And I allow myself to add if anyone were to ask me how I got to where I am today, I would answer that I always looked to the future and never relied on views that belong in the past. 
Thanks for you attention.